Eine Wahl der politischen Ausgrenzung

Vor zwei Tagen wurde Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Sozialen Medien sowie der professionelle Journalismus in Deutschland überbieten sich mit Häme, Schock und Weltuntergangsprognosen. Dies ist zumindest in meiner Filter Bubble der Fall, welche bereits bezeichnend ist für den mangelnden Austausch zwischen politischen Oppositionen. Aber abgesehen von der medialen Abgrenzung ist der politische Diskurs, hier in Deutschland wie in Amerika, zu einem anti-konstruktiven Austausch an Beschuldigungen und Verleumdungen geworden. Anders formuliert haben die Kommentare, die am meisten Schaden beim Gegner anrichten den größten politischen Nutzen für die eigene Position erlangt. ‚Anti-konstruktiv‘ scheint die gegenwärtige Strategie zur Vermittlung politischer Werte zu sein.

Argument variante 1: Schau nur wie falsch die Anderen liegen, meine Lösung ist daher die einzig richtige!

Diese rhetorische Taktik, beruhend auf logischer Inkonsequenz und wird ‚ad hominem‘ bezeichnet. (Zwei Links dazu und zu vielen anderen Varianten schwacher Argumentationen findet ihr hier in zwei Versionen auf deutsch und noch ausführlicher auf englisch) Doch ist diese Stratgie der Ausgrenzung wirklich sinnvoll?

Argument Variante 2: Die sind anders! Unsere Sichtweise ist die normale und daher einzig richtige!

Eine politische Kultur die auf Ausgrenzung beruht kann man jeglichen Populisten dieser Tage einfach nachweisen. Mr. Trump setzte stark auf die Dämonisierung von Ethnien und von ihm definierter politischer Feinde (Terroristen, Muslime, Einwanderer). Was war die Antwort der Gegenseite? Die Clinton Kampagne verwendete ihrerseits viele Ressourcen darauf die Person Trump zu diffamieren. Folglich wurden auch die Unterstützer des republikanischen Kandidaten als dumm und rassistisch verurteilt. Dahinter steckt die logisch falsche Annahme, dass der Unterstützer einiger Forderungen der politischen Figur alle Forderungen unterstützt, die Schuld durch Assoziation mit einer Gruppe. Es ist komfortabel für politische Kandidaten nach dem Prinzip der Eigengruppe und Fremdgruppe  zu verfahren (engl. In-Group Out-Group principle, weiterführender Artikel hier). In dieser Argumentationslogik wird die eigene Meinung immer als korrekt aufgefasst weil sie das Wir-Gefühl der Eigengruppe stärkt. Die Bekämpfung der Fremdgruppe, mit einer ihrer gegenteiligen und daher falschen Meinung, stärkt ebenfalls die Eigengruppe.

Die Dialektik bleibt in der These stecken. Eine Antithese konnte die demokratische Kandidatin nicht formulieren, da sie zu beschäftigt war Donald Trump mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Viele Wähler in Amerika und in der Welt bezeichneten deswegen beide Kandidaten als schlechte Alternativen. Hauptsächlich weil keine Seite wirkliche Alternativen vermitteln konnte.  Zurück bleibt ein Gefühl der Enttäuschung und müder Politikverdrossenheit.

Das Wort ‚Politikverdrossenheit‘ wurde 1992 zum Wort des Jahres -im Gegensatz zum Unwort des Jahres- von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählt. Zitat der Juroren: „Für die Auswahl der Wörter des Jahres entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz und Popularität: Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen Beitrag zur Zeitgeschichte dar.“ Das Wort trifft leider auch im Jahre 2016 den Zeitgeist alzu sehr. Einen solchen Eindruck auf die Stimmung zur Wahl bietet Stephen Colbert in seinem – augenscheinlich improvisierten – Monolog in der Wahlnacht vom 9.11.2016.

Politikverdrossenheit in Deutschland

An dieser Stelle möchte ich den deutschen Bürger fragen, als wie effizient du die Argumente gegen die AFD und ihre Wählerschaft seit ihrer Gründung 2013 einstufst? Die ehrliche Antwort ist ziemlich ernüchternd, oder? Denn die argumentative Opposition gegen die politische Bewegung rechts von der CDU/CSU basiert auf denselben Mechanismen wie die Strategie Clintons gegen Trump. Es wurde eine Fremdgruppe definiert. Dies schließt die Integration in das politische Establishment aus und stärkt zugleich die Eigengruppe der AFD Partei und ihrer Anhänger. Sogar die Inhalte der Argumente sind vergleichbar: Die AFD und ihre Wähler sind dumm und rassistisch . Fertig. Aus. Keine Möglichkeit für den politischen Diskurs. (Eine Auflistung journalistischer Beiträge, die diese Behauptungen aufstellen, möchte ich gar nicht erst beginnen, da sie sowieso nur einen Bruchteil der Gegenbewegung zur AFD darstellen würde. Ich denke ihr kennt diese Form der Artikel und brauchen hier keine Auffrischung)

Und das ist schade um die politische Kultur bis bedenklich im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017. (Eigentlich wollte ich hier ‚gefährlich‘ schreiben. Doch die Stigmatisierung in diesem Wort liegt derselben Dialektik zugrunden, welche ich versuche zu kritisieren. ‚Bedenklich‘ erschien diplomatischer, drückt aber natürlich immer noch eine Wertung aus.) Unsere politische Diskussion ist ebenfalls gefangen in einer fortschreitenden Differenzierung von Lagern. Der gegenwärtige Journalismus befeuert den Populismus. In sozialen Medien wird dieser Kampf fortgeführt. Der Versuch Gemeinsamkeiten zu finden und darauf aufbauen konstruktiv zu werden rückt in weite Ferne. Doch genau das muss probiert werden, wenn eine lösungsorientierte Politik die nächsten Jahre bestimmen soll.

Die konstruktive Antithese

Wie können schlecht argumentierte politische Einstellungen noch begegnet werden? Zuerst ein Tipp zum Kontext: Generell ist es leichter in einem persönlichen Gespräch Überzeugungen zu vermitteln. Eine Twitter Diskussion verfällt durch ihr kurzes Format leider zu oft in Parolen und Anfeindungen. Von Auge zu Auge lassen wir uns als emphatische Wesen eher auf die Gegenseite ein. Der einfachste Tipp um ein Gespräch mit der (ideologischen) Gegenseite anzufangen ist dieser: Suche die Gemeinsamkeiten! Der Fokus liegt oftmals auf den krassen Gegensätzen. Doch gerade eine politische Diskussion muss nicht in einem schwarz-weißen Denkschema geführt werden. Politik erdet in einem sozialen Gefüge. Das gesellschaftliche Zusammenleben ist stets geprägt von individuellen Handlungen. Aus unseren individuellen Vorstellungen und Taten ergibt sich eine unvorstellbar große Kombinationsmöglichkeit an Begegnungen zwischen Personen, die vielleicht denken sie würden nicht zusammenpassen, solange bis sie manchmal nur eine Gemeinsamkeit entdecken. Beispiel: Der Fan der einen Sportmannschaft und der Fan des anderen Teams lieben beide die Sportart und sind Eltern. Die respektvolle Feindschaft während dem Spiel kann gepflegt werden und danach können sich beide Fans voneinander erfahren und darüber reden wie sie ihren Kindern den Sport näherbringen möchten. (Einen interessanten Artikel dazu und weiteren Möglichkeiten findet ihr hier)

Und wie funktioniert das ganze online? Zunächst bei uns selber. Erweitere deine Filter Bubble! Ja es schmerzt die unfairen Argumente der Gegenseite auf die eigenen Überzeugungen aufprallen zu sehen. Doch liest man über die Sticheleien hinweg, wächst auch oftmals das Verständnis für die angewandte Argumentation. Es werden bei der Fremdgruppe andere Prioritäten gesetzt und diese zu verstehen ist der erste Schritt daraus wieder Gemeinsamkeiten abzuleiten. Und schließlich bleibt ein logisch inkosequentes Argument genau das: Wertlos für einen konstruktiven Diskurs. Können wir diese schwachen Argumente identifizieren, ersparen wir uns viel emotionalen Stress, der in der schnelllebigen Medienzeit doch manchmal unberechtigterweise Überhand nimmt.

Wäre ein zukünftiges Wort des Jahres nicht schön, das den Zeitgeist einfängt und Politik mit etwas positiven verbindet? Ich kann an keines denken, welches das Gegenteil von Politikverdrossenheit beschreibt, aber wenn es soweit ist, werden wir eins gefunden haben.

PS: Inspiriert wurde dieser Beitrag durch einen weiteren Perspective Daily Artikel

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