Unfaire Kritik für einen guten Zweck?

Am 20.1.2017 ist Donald Trump als Präsident vereidigt worden. Dies ist nun eine Woche her. Seine Handlungen werden äußerst kritisch von der deutschen wie internationalen Presse begutachtet. Ich möchte mich mit der Art der Kritik auseinandersetzen die in den breiten Medien vermehrt zum Tragen kommt. Eines vorneweg: Eine konstruktive mediale Bewertung der Handlungen politischer Akteure, einschließlich des US-Präsidenten, ist wichtig. Ich wünsche mir eine kritische Haltung gegenüber allen politischen Machthabern. Damit diese Kritik bei den Lesern, Bürger und Betroffenen eine Wirkung erzielt, die in einen fortlaufenden politischen Diskurs umgesetzt werden kann, muss sich jedoch die Art der Kritik maßgeblich ändern.

Medienmaschine Trump

Der neue Präsident hat hohen Aufmerksamkeitswert, auch wenn die Berichte über ihn oftmals banal sind. Aus Sicht von Nachrichtenmedien, insbesondere Online-Medien die ihre Klickzahlen hoch halten müssen, ist der Name Trump somit ein Garant für stabile Werbeeinahmen. Haben Sie das Gefühl, am Ende eines Trump Artikels etwas neues über die Person gelernt zu haben oder eine Ahnung der politischen Absichten des amerikanischen Präsidenten zu bekommen? Oder haben die Schlussfolgerungen der Autoren zumeist eine Horoskop Rhetorik zu bieten? Klicken sie den nächsten Artikel, der aus Konjunktiven besteht einfach weg. Der Autor wird hier nur aus einer Kurznachricht eine umschweifende Ableitung ziehen. Besitzt der Artikel allerdings einen längeren Umfang, eine Fragestellung zu Beginn die Ihnen neu ist oder Beleuchtet politische Aktion mehr als die Person Trump, dann lohnt sich das Lesen schon eher.

Person vor Policy

Die personalisierte Analyse hat Vorrang vor jeglicher sachlichen Bewertung der konkreten Politik. Wie schon im Wahlkampf geht die Interpretation der politischen Handlungen nicht über die Person Trump hinaus. Das Framing zu Trump ist einfach. Er ist Narzisst, Sexist, Rassist. In seiner Rhetorik ein radikaler Populist. Daraus lassen sich alle gesellschaftlichen Forderungen seiner Politik ableiten. Beispiele dieser wiederkehrenden narrative sind: Er erträgt keine Kritik denn er ist Narzisst. Er unterstützt die Abtreibung nicht, denn er ist Sexist. Er möchte eine Mauer an der Südgrenze der USA bauen, denn er ist Rassist. Doch was fangen wir nun mit diesen Schlussfolgerungen an? Das ein Psychopath an der Macht ist? Ja, wahrscheinlich ist Trumps Charakter nicht geeignet für das Amt. Nach dieser Erkenntnis habe ich eine Bitte: Nachdem uns der schlechte Charakter Trumps 1 ½ Jahre in den Kopf geprügelt wurde, können wir bitte über die tatsächlichen Handlungen sprechen ohne ein Psychogram durch einen politischen Korrespondenten zu erhalten?

Das noch hunderte weitere Faktoren in die Entscheidungsspielräume eines amerikanischen Präsidenten einfließen scheint nicht mehr relevant. Doch genau diese Relevanz müssen uns die Journalisten bieten! Sollten die nächsten vier Jahre aus der reinen Personalisierung von politischer Handlung bestehen, bleibt dem rationalen Geist kein Platz mehr in der politischen Berichterstattung. Dann ist das Politik Ressort endgültig Boulevard und eine politische Wahl kann auch in einer Casting Show abgehalten oder durch die Like Anzahl unter einem YouTube Video bestimmt werden.

Das Risiko der Anti-Trump-Strategie

Die Medien, die sich als wahre Opposition gegen Trump verstehen, werden durch ihre unfaire Kritik ihre eigene Glaubwürdigkeit sowie die Glaubwürdigkeit in die Demokratie weiter untergraben. Denn wie können wir Bürger der Demokratie vertrauen wenn ein geistig kranker Mensch das höchste Amt einer der ältesten Demokratien der Neuzeit besetzt? Wie können wir den Medien vertrauen wenn diese offensichtliche Fehleberichte, schlecht recherchierte Kurzbeiträge oder einfach irrelevante Nachrichten veröffentlichen und diese Arbeit danach mit ihrer Berufung zu dem höheren Ziel ihrer selbst ernannten Rolle als Opposition vertreten? Wir brauchen keine Opposition die ihr Geld mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort über ihre eigene Agenda verdient. Wir brauchen eine Medienlandschaft die dem Ideal der Objektivität zu entsprechen versucht. Die Opposition wird sich bilden, wenn diese eine ebenso faire und in Quantität der Bewegung angemessene Repräsentation in den Nachrichten erfährt. Und ja die Opposition in den USA und international sollte stark sein. Die konstruktive Kritik gegenüber vorherigen Machthabern der USA hatte ebenfalls ihre Berechtigung.

Eine kritische Betrachtung der Nachrichten, Posts und Beiträge bleibt unerlässlich. Ein qualitativer Mindeststandart des Journalismus in Deutschland und der westlichen Welt darf nicht aufgegeben werden. Nicht zugunsten guter Quote und dieser sinnlosen Geschichte der kleinen Medien gegen den großen Führer der USA.

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